"Es geht um Schubert, nicht um Glamour!"
Der Schubert-Wettbewerb wechselt von einem Zwei-Jahres-Zyklus auf einen Vier-Jahres-Zyklus. Dazwischen wird es ebenfalls alle vier Jahre den Schubert-LiedDuo-Wettbewerb geben. Bekommen beide Wettbewerbe dadurch mehr Gewicht?
von Arnim: Mit dem Vier-Jahres-Zyklus bewegen wir uns im ganz hohen Level wie der Reine-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel und der Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Der Präsenz des Schubert-Wettbewerb hat es nicht geschadet, dass wir ausgesetzt haben. Im Gegenteil: Es gibt unwahrscheinlich viele Anfragen von Pianisten auf der ganzen Welt.
Wird sich der Vier-Jahreszyklus auch auf die Qualität der Teilnehmer auswirken?
von Arnim: Früher war es einfacher. Da konnte man es probieren und, wenn es nicht geklappt hat, in zwei Jahren wieder kommen. Jetzt hat der Schubert-Wettbewerb an Exklusivität gewonnen. Wenn sich mehr Teilnehmer anmelden, sind die Chancen, dass sehr gute Pianisten dabei sind, sehr gut.
Und Sie haben die Preisgelder erhöht.
von Arnim: Obwohl Preisgelder nicht das Wichtigste sind, sondern die Präsentation der Gewinner in der Öffentlichkeit und nachfolgende Konzert-Engagements, habe ich dafür plädiert, dass man den Preisgeldern nicht mehr ansehen sollte, dass sie umgerechnete DM-Beträge sind. Deshalb gibt es jetzt für den ersten Preis 10.000 Euro und eine CD-Produktion von der Werner Richard - Dr. Carl Dörken-Stiftung statt vorher 7.500 Euro. Der zweite Preisträger bekommt 8.000 Euro von der Kulturstiftung statt 5.000 Euro und der Dritte 5.000 Euro von der Dumcke-Stiftung statt 4.000 Euro. Als Sonderpreise vergibt die Mozart Gesellschaft Dortmund 2.000 Euro für die beste Mozart-Interpretation im dritten Durchgang und die Mercedes Benz Niederlassung Dortmund 1.500 Euro wieder für den jüngsten Teilnehmer des dritten Durchgangs.
Der Schubert-Wettbewerb ist auch Dank des Engagements der Sponsoren finanziell zu hundert Prozent gesichert. Wir sind zum Glück nicht in der Situation, dass man erst den Wettbewerb ausrichtet und dann hofft, dass das Geld wieder hereinkommt.
Die Mozart Gesellschaft ist neuer Partner und neu ist auch, dass im dritten Durchgang nun außer einer großen Schubert-Sonate eine Mozart-Sonate gespielt werden muss. Warum?
von Arnim: Wir wissen seit 20 Jahren, dass ein guter Mozart-Spieler ein guter Schubert-Interpret ist und umgekehrt. Es gibt ganz viele Berührungspunkte zwischen Mozart und Schubert. Das Wienerische Flair ist bei beiden ein wichtiges Element. Es ist der Tonfall der Musik, der österreichische Dialekt, der bei beiden näher steht als ein preußischer Ton. Die Mozart Gesellschaft ist dem Wettbewerb schon lange verbunden. Deshalb haben wir den dritten Durchgang, den heiligen Tag, an dem bisher den ganzen Tag nur die großen Schubert-Sonaten gespielt worden sind, mit Mozart ergänzt.
Ist der Schubert-Wettbewerb ein Sprungbrett für eine Karriere?
von Arnim: Viele unserer Preisträger haben eine große Karriere gemacht, unsere Preisträger haben international einen guten Namen. Nicht nur Michael Endres, der erste Schubert-Preisträger, der in diesem Jahr das Eröffnungskonzert des Wettbewerbs spielt. Oder Amir Katz, der sich mit seiner Persönlichkeit sich den Wettbewerbsgewinn 2003 sehr zu nutze gemacht hat. Es hängt immer an dem Preisträger, was er aus dem Preis macht. Wenn einer sich zurücklehnt und denkt, „jetzt habe ich einen Preis gewonnen. Hoffentlich ruft morgen jemand an, der mich engagiert“, funktioniert das nicht immer.
Aber der Gewinn ist Schubert. Viele Pianisten, die das Programm für den Wettbewerb einstudiert haben, spielen ein Leben lang Schubert, die Stücke auf dem Wettbewerb tauchen in ihren Programm immer wieder auf. Damit strahlt der Wettbewerb viel stärker aus als wir uns vorstellen können. Und wenn 50 Pianisten kommen, haben 80 das Programm erarbeitet und 160 haben es versucht. Die spielen alle später auch noch Schubert. Diese Schnittstelle zwischen Klassik und Romantik ist ein sehr spezielles Repertoire, das es schwer hat in den Konzertprogrammen.
Der Wettbewerb zieht aus dem Casino um ins Orchesterzentrum NRW an der Brückstraße. Wollen Sie in diesem Saal mitten in der Dortmunder Innenstadt mehr Präsenz zeigen?
von Arnim: Das hatten wir immer im Auge. Die Innenstadt ist ein Riesenvorteil. Da ist Leben. Der LiedDuo-Wettbewerb vor zwei Jahren im Orchesterzentrum hat gezeigt, dass das Stammpublikum, das am ersten Tag um 10 Uhr vor der Tür gestanden hat und keinen Ton verpassen wollte, auch ins Orchesterzentrum kommt. Und es wird noch viel Laufkundschaft dazu kommen, die zwischendurch mal reinhören will.
Sie sind nicht mehr einer der neun Juroren, sondern künstlerischer Leiter des Wettbewerbs und haben den organisatorischen Vorsitz der Jury. Warum?
von Arnim: Ich kann nicht vermeiden, dass sich Schüler von mir anmelden. Ich habe den organisatorischen Vorsitz der Jury, ohne Stimmrecht. Es gibt neun Juroren auf höchstem Niveau mit verschiedenen kulturellen Hintergründen.
Der vierte Durchgang mit Orchester findet im Konzerthaus statt, einem Saal von internationalem Renommee. Und Michael Endres spielt das Eröffnungskonzert am 2. Oktober um 18 Uhr im Harenberg City-Center. Auch das ist ein etablierter Raum für große Klavierabende, z.B. beim Klavier-Festival Ruhr.
von Arnim: Ja, und zu meiner Freude ist es von einem Galakonzert zum Eröffnungskonzert geworden. Auf höchstem musikalischen Niveau, mit Michael Endres, der extra aus Neuseeland, wo er jetzt lebt, anreist. Es geht nicht um Glamour, es geht um Schubert.




