Preisträger LiedDuo 2009
Ich habe gedacht, da singt Franz Schubert
Dortmund. „Ich habe gedacht, da singt Franz Schubert”, so Professor Arnulf von Arnim begeistert über den zweiten Preisträger des Schubert-Wettbewerbs LiedDuo, Simon Bode, am Freitag im Harenberg-Center.
Nun können wir nicht wissen, wie Schubert geklungen hat, aber die Qualitäten eines Fritz Wunderlich hat der junge Tenor, der zum Publikumsliebling avancierte und stehende Ovationen erhielt, durchaus: Sehr lyrisch, sanft ist seine Stimme, wenn er Schuberts schlichtes „Im Frühling” intoniert, sehr stark, mitreißend sein Ausdruck beim „Erlkönig”. Da spielt natürlich auch die exzellente Begleitung von Nicholas Rimmer, der sich mit Joseph Middleton den Sonderpreis für den besten Liedpianisten teilt, eine entscheidende Rolle. Fast diabolisch interpretiert Tomasz Wija als erster Preisträger Schönbergs „Wanderer”, mit einem Augenzwinkern Schuberts „Totengräber-Weise”, jeweils begleitet von David Santos. Doch in seinem eigentlich Fach angekommen ist er wohl, wenn der Sänger den Buffo spielen kann: an diesem Abend mit der Arie des Podestà aus Rossinis „Diebischer Elster”. Hier kann der in Polen geborene Bariton sein komödiantisches Talent ausleben. Eher im hohen Baritonbereich ist die Stimme des dritten Preisträgers angesiedelt: Tobias Berndt aus Leipzig führt seine Stimme ebenfalls sehr kultiviert, verfügt über ein gut platziertes und sehr präsentes Piano, das er in seinem suggestiven Vortrag von Schönbergs „Der verlorene Haufen” wirksam einsetzt. Allen kann eine exzellente Textartikulation attestiert werden.
Dortmund, 04.10.2009, Martina Lode-Gerke, www.derwesten.de
Mit dem Erlkönig zum zweiten Preis
DORTMUND „Das hier ist kein Spaziergang. Ich will nie wieder so früh singen. Und ich hab so viel Hunger.“ Tenor Simon Bode fielen am Donnerstag, nachdem er das Finale des ersten Schubert LiedDuo-Wettbewerbs in Dortmund überstanden hatte, so viele Steine vom Herzen wie dem Fischer in Schuberts „Liebesglück“.
Man hätte die berühmte Stecknadel fallen hören können im Saal des Orchesterzentrums NRW, als die sechs besten der 36 Duos aus 14 Ländern dieser Lied-Wettbewerbspremiere ihre kleinen, halbstündigen Liederabende sangen: Schubert, gespickt mit Liedern von Schönberg und Opernarien.
Simon Bode war jüngster Finalist
Simon Bode musste als Zweiter, nach der sehr guten und emotionalen schwedischen Sopranistin Julia Sporsén und einer sängerunfreundlichen Morgenstunde auf die Bühne und sang die Tamino-Arie aus Mozarts „Zauberflöte“. Mit schöner, dunkel gefärbter Tenorstimme.
„In dieser Arie gibt es einen Affekt, aber in einem Lied wie ,Fischer Liebesglück‘ prallen Welten aufeinander. Im Lied kann man alles fühlen“, schwärmt der 24-Jährige, der jüngster Finalist ist: „Aber es ist anstrengend und schwer, zwischen Schönberg und Schubert eine Arie zu singen. Das ist mehr ein Wettbewerb gegen sich selbst, nicht gegen andere.“
In der Mitte des Saals sitzt die große Garde des Gesangs: René Kollo, der innerlich mitzusingen scheint, Helen Donath, die viel mitschreibt, Sibylla Rubens, die den Sängern gespannt an den Lippen hängt, gehören zur Jury ebenso wie Liedbegleiter Irwin Gage, der den Pianisten auf die Finger schaut.
Vorstellung der Sieger im Dortmunder Harenberg-Haus
„Ich hab extra meine Brille nicht aufgesetzt, damit ich keinen sehe. Klar ist es ein Ansporn, vor so einer hochkarätigen Jury zu singen“, erzählt Bode. Einen sehr guten Begleiter hat der Hannoveraner mit Nicholas Rimmer. Der hat den Text mit den Lippen leise mitgesprochen, als Simon Bode sang. „Man muss mit einem Begleiter über die Texte reden können“, sagt der Tenor. „Man muss ein Gespür für den Atem des Sängers entwickeln“, meint der Pianist.
Für den Tenor aus Hannover war dies der erste internationale Wettbewerb. Und fast ein Heimspiel. In Dortmund sang er beim Festival „Next generation“, im Vorort Lütgendortmund wohnten seine Großeltern, eine Kantorin und ein Pfarrer. Einen Preis, mindestens 1000 Euro fürs Erreichen des Finale, hat er wie alle sechs Duos schon gewonnen. Am Freitag (2.10.) um 19.30 Uhr stellen sich die Sieger im Dortmunder Harenberg-Haus vor.
Von Julia Gaß am 2. Oktober 2009 07:05 Uhr, www.ruhrnachrichten.de
So munter wie Schuberts Forelle
Jung, frisch und modern - LiedDuo taucht als kleiner Bruder des Klavier-Wettbewerbs auf
(Dortmund) Jung, frisch und modern präsentiert sich der Internationale Schubert-Wettbewerb LiedDuo, der ganz neu in der Wettbewerbs-Landschaft auftaucht. Wie ein Pfeil springt die muntere Forelle auf dem hellblauen Wettbewerbs-Programm aus einem klaren Bächlein. – So launig, wie es Franz Schubert in seinem bekanntesten Lied, „Die Forelle“, vertont hat. Damit vergibt der Schubert-Wettbewerb nun auch in der Gattung Preise, mit der Franz Schubert Name ganz besonders verbunden ist: dem Lied.
50 Duos, Sängerin bzw. Sänger mit Pianist bzw. Pianistin treten bei der Premiere des kleinen Bruders des etablierten Schubert-Klavier-Wettbewerbs vom 26. September bis 2. Oktober erstmals in Dortmund und ebenfalls erstmals im Orchesterzentrum NRW an. Auch das ist ein Aufbruch zu neuen Ufern: Der akustisch exquisite Kammermusiksaal an der Brückstraße ist das neue Wettbewerbs-Domizil – auch 2010 beim nächsten Klavier-Wettbewerb, der dann zum zwölften Mal stattfindet. Der LiedDuo-Wettbewerb ist mit 28.500 Euro, inklusive CD-Produktion für den Sieger, dotiert.
Für die hochkarätig besetzte Jury um den Vorsitzenden Prof. Arnulf von Arnim und den künstlerischen Initiator, Liedbegleiter Irwin Gage, wird es schwer werden, die besten Duos aus dem hochkarätigen Teilnehmerfeld herauszufischen. Eine Vorauswahl ist schon getroffen: von 64 Bewerber-Duos hat die Wettbewerbs-Leitung die besten 50 eingeladen.
Opernsänger, die schon in festen Engagements sind, gehören zu den Teilnehmern, die auch aus Asien und den USA anreisen. Für das Publikum, das die drei öffentlichen Wettbewerbsdurchgänge verfolgt, wird es spannend zu hören, wie ein junger Opernsänger mit großer Pavarotti-Stimme die feinen Nuancen eines Liedes auslotet. Gesucht wird das Duo, das am besten harmoniert. Bewertet werden sowohl die Qualität der Stimme als auch die Ausdeutung der Gedichttexte sowie die einfühlsame Klavierbegleitung, die die Worte am besten illustriert.
International besetzt ist auch die Jury mit Helen Donath, Anne Gjevang, Marlene Schäfer-Weber, Sibylla Rubens, Graham Johnson, René Kollo, Tom Krause, Irwin Gage und Arnulf von Arnim.
Opernwettbewerbe gibt es viele, aber einen vergleichbaren Wettbewerb nur in Graz mit dem Wettbewerb „Franz Schubert und die Musik der Moderne“. Die Sängerinnen und Sänger bis 33 Jahre und die Pianisten bis 35 Jahre müssen in Dortmund ein anspruchsvolles Pflichtprogramm präsentieren. Schubert-Lieder stehen in allen drei Runden und in allen fünf Stimmlagen im Mittelpunkt. In Pflicht-Liedern von Schönberg sollen die Sänger eine expressivere Facette des Liedgesangs zeigen. Und in einer Opern- oder Oratoriumsarie aus Klassik oder Romantik im ersten und dritten Durchgang auch, dass sie die Stimme technisch sauber, ausdrucksstark und kraftvoll führen können. "Bei jedem Wettbewerb wird es einen Gast-Komponisten geben. Nach Schönberg 2009 wird das 2012 Brahms sein", plant der künstlerische Initiator, Irwin Gage.
Den Auftakt zum Wettbewerb geben die „Singphoniker“, ein Ensemble von fünf Sängern und einem Pianisten, am 26. September um 18 Uhr mit einem Galakonzert im Casino Hohensyburg. Das Preisträgerkonzert beginnt am 2. Oktober um 19.30 Uhr im Harenberg City-Center.
Der LiedDuo-Wettbewerb findet – wie der Schubert-Klavier-Wettbewerb ab 2010 und alle großen Internationalen Wettbewerbe – künftig im Drei-Jahres-Turnus statt.
Die große Liebe zum kleinen Lied
Der Internationale Schubert-Klavier-Wettbewerb ist seit seiner Premiere 1987 fest etabliert in Dortmund und der internationalen Wettbewerbs-Landschaft. Warum gibt es jetzt einen LiedDuo-Wettbewerb?
von Arnim: Die Idee hatten wir schon lange, die Gattung Lied hat es schwer im Konzertbetrieb, aber für Schubert war das Lied eine Muttersprache. Die Erfahrungen aus dem Schubert-Klavier-Wettbewerb zeigen, dass die Pianisten dem Repertoire, das sie sich für den Wettbewerb erarbeitet haben, ein Leben lang treu bleiben. Das prägt sich ein. Wir hoffen, dass die Teilnehmer des LiedDuo-Wettbewerbs mehr Mut zu einem Liederabend haben.
Sie geben der kleinen Form Lied eine große Bühne. Ist die Resonanz der Teilnehmer ähnlich groß wie beim Klavier-Wettbewerb?
von Arnim: Sie ist sensationell. Und auch die Qualität der Teilnehmer ist bemerkenswert, unter denen sich viele Preisträger anderer Gesangs- oder Liedwettbewerbe befinden. Wir hatten 65 Bewerbungen, konnten aber nur 50 Einladungen an die besten Duos aussprechen.
Interessieren sich auch Sänger aus nicht-deutschsprachigen Ländern für das deutsche Kunstlied?
von Arnim: Der LiedDuo-Wettbewerb ist wie der Klavierwettbewerb international besetzt. Es gibt auch Anmeldungen aus Asien, aber mehr als der Klavier-Wettbewerb ist der Lied-Wettbewerb europäisch dominiert. Und die meisten Teilnehmer aus dem englisch-, französisch- oder spanischsprachigen Raum haben einen Bezug zur deutschen Sprache. In die feinen Nuancen der Liedtexte kann man nicht tief eindringen, wenn man nicht gut deutsch kann. Ein Liedduo muss auch mit größter Sensibilität die Zwischentöne eines Gedichtes empfinden können.
Zu den Pflichtstücken gehören aber nicht nur Schubert-Lieder.
von Arnim: Wir wollten ein Korrelat zum Schubert-Klavier-Wettbewerb schaffen. Dort sind auch Chopin-Etüden Pflicht, hier sind es die expressiveren Schönberg-Lieder, die im Kontrast zu den Schubert-Liedern stehen. Und Arien aus Opern oder Oratorien. Schubert-Lieder bilden aber den Schwerpunkt.
Prämiert werden Duos. Also bekommt ein guter Sänger keinen Preis, wenn er einen schlechten Pianisten hat?
von Arnim: Genau. Deshalb besteht die Jury aus Sängern und Pianisten.
Die Jury ist sehr hochkarätig besetzt, unter anderem mit René Kollo und Helen Donath. War es schwer, sie als Juroren zu gewinnen?
von Arnim: Nein. Zu vielen hatten wir dank unserem Initiator Irwin Gage, der so viele berühte Sängerinnen und Sänger begleitet hat, persönliche Kontakte. Und wir sind als Mitglied der Welt-Fédération interantionaler Wettbewerbe bekannt für Qualität und damit an den exponiertesten Stellen im Musikverteiler. Auch den Welttars unter den Sängern ist das Lied eine Herzensangelegenheit.
Wie ist der Wettbewerb dotiert?
von Arnim: Mit 21.000 Euro, aber da muss man die 7500 Euro für die CD-Produktion für den 1. Preisträger noch hinzurechnen. Wir sind dankbar, dass die Sponsoren, die den Schubert-Klavier-Wettbewerb unterstützen, auch unsere Partner beim LiedDuo-Wettbewerb sind.
Der Wettbewerb findet im neuen Orchesterzentrum NRW statt. Hoffen Sie mitten in der Dortmunder Innenstadt auf mehr Publikum?
von Arnim: Der Saal ist perfekt, er hat eine großartige Akustik, in der man extrem klar hört. Unsere Idee ist seit Jahrzehnten, in die Stadt zu gehen. Der Klavier-Wettbewerb hat eine eingefleischte Zuhörer-Gemeinde, einen stetig wachsenden Fanclub, der früher den weiten Weg ins Casino nicht gescheut hat. Aber ich hoffe, dass wir mit dem Spielort des Orcheserzentrums in der Stadtmitte zusätzlich interessiertes Publikum anziehen können.
